- Aussprache
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Diaspeírō (διασπείρω) — altgriechisches Verb mit der Bedeutung „zerstreuen“ oder „verstreuen“. Die etymologische Wurzel des Mineralnamens Diaspor, den der französische Mineraloge René Just Haüy 1801 vergab. Der Bezug gilt dem Verhalten des Minerals beim Erhitzen: Es dekrepitiert und zerfällt in weiße, perlmuttartige Schüppchen — die Kristalle zerstreuen sich, wenn sie einer Flamme ausgesetzt werden.
Die wissenschaftliche Namenskonvention
Die mineralogische Nomenklatur des frühen neunzehnten Jahrhunderts griff stark auf griechische und lateinische Wurzeln zurück und beschrieb häufig eher eine diagnostische physikalische Eigenschaft als einen Fundort. Haüys Wahl folgte dieser Konvention: Der Name gibt weder an, wo Diaspor gefunden wurde, noch wie er bei Raumtemperatur aussieht oder wer ihn entdeckte. Er benennt, wie die Kristalle auf Hitze reagieren — eine Eigenschaft, die ein praktizierender Mineraloge routinemäßig mit dem Lötrohr prüfte.
Das Phänomen der Dekrepitation
Beim Erhitzen von Diaspor wird strukturell gebundenes Wasser (das (OH) in α-AlO(OH)) freigesetzt. Die Freisetzung erfolgt auf Kristallebene explosionsartig: Der Kristall zerspringt entlang seiner vollkommenen Spaltbarkeit auf der {010}-Ebene und erzeugt die weißen, perlmuttartigen Schüppchen, die Haüy zu seinem Bild veranlassten. Das Phänomen ist reproduzierbar und diente in frühen Lehrbüchern der Mineralogie als diagnostisches Erkennungsmerkmal.
Moderne Bedeutung
Für einen heutigen Edelsteinkäufer ist die Etymologie eher redaktionelle Farbe als praktische Warnung. Facettierter Zultanit ist bei normalem Schmuckgebrauch nicht von Dekrepitation bedroht; die erforderlichen Temperaturen liegen weit über jeder Umgebung, der ein Schmuckstück begegnen würde. Die Namensgebung spiegelt das Verhalten des Minerals unter Laborbedingungen wider, nicht die alltägliche Anfälligkeit des Edelsteins. Die Spaltbarkeit, die das Erhitzen offenlegt, ist dieselbe Spaltbarkeit, die der Schleifer beim Facettieren beachten muss (siehe Farbwechsel für die zugehörige Erörterung der Lapidärkunst).
Etymologische Verwandte
Die griechische Wurzel diaspeírō liefert auch das englische diaspora (eine verstreute Bevölkerung) und spore (die verstreute Fortpflanzungseinheit von Pflanzen und Pilzen). Der semantische Kern — zerstreuen, verstreuen, ausbreiten — durchzieht alle drei Ableitungen.
Siehe auch: Diaspor, Mohs-Skala.